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Alles Gute zum Geburtstag

Vor 110 Jahren, im März 1911, fand der 1. Internationale Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweiz und der USA statt. Was ist aus den Forderungen geworden, was wurde erreicht und was hat sich bisher nicht verändert?

Politisch stand das aktive und passive Wahlrecht für Frauen auf dem Programm, gesellschaftlich ging es um Gleichberechtigung und Teilhabe am öffentlichen und wirtschaftlichen Leben, Abschaffung der Kinderarbeit, bessere Löhne und menschenwürdigen Wohnraum für alle.

Na, dann haben wir es ja geschafft! Haben wir?

 

Das mit dem Wahlrecht haben wir erreicht, doch was hat es uns gebracht?

Der Anteil an weiblichen Abgeordneten in Stadt, Land und Bund nahm erst nach Einführung der „Frauenquote“ in der SPD und die Einführung der konsequenten „Doppelspitze“ bei den Grünen zu einer Erhöhung des Frauenanteil von 10 auf 32% 1998, auch dank der Frauen aus der ehemaligen DDR. Bis dahin lag er immer zwischen 6.5% und 10% und erst in den letzten 30 Jahren wurden es mehr und liegt jetzt bei 37% im Deutschen Bundestag bei 52% weiblicher Wahlbürger – Gleichberechtigung bei politischer Teilhabe erreicht? Wohl kaum!

Zur Quote sei zu sagen: Ja die brauchen wir nicht nur hier. Gleichberechtigt sind wir erst, wenn für jeden unqualifizierten Mann auch eine ebensolche Frau stehen kann, was meines Erachtens leicht zu erreichen ist. Auch wenn dies Männer nicht gerne hören. Bei den Juristen im öffentlichen Dienst profitieren gerade sie von der Gleichstellung, fallen ihre juristischen Abschlüsse doch häufig schlechter aus als die ihrer weiblichen Konkurrentinnen.

 

Die Teilhabe an der wirtschaftlichen Macht, wie sieht es da aus? Auch nicht besser, nur jede 3. Führungsposition ist von einer Frau besetzt. Dank der Einführung der allgemeinen Schulpflicht und Abschaffung der Kinderarbeit in der Weimarer Republik bekam Frau ihrer „angestammten“ Platz zu gewiesen: Küche, Kinder, Kirche! Vater wurde Ernährer und „Familienoberhaupt“, inklusive dem Recht, der Ehefrau ein Bankkonto und die Erwerbstätigkeit zu verweigern. Super, blieb so doch das Recht auf Selbstbestimmung auf der Strecke. Der 2. Weltkrieg brachte uns wieder in die Fabriken zurück, Männer an die Front. Die Doppelbelastung Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung wurde geboren und zum Ausgleich bekamen wir den Muttertag und das Mutterkreuz!

 

Die Deutsche Antwort auf das Kampflied „Brot und Rosen“ der amerikanischen Frauen 1912!

 

Die neue Bundesrepublik änderte nur ein bisschen, erst 1952 wurde der Mutterschutz ein geführt und im Jahr 1958 durfte Frau ein Konto eröffnen, der Ehemann konnte nicht mehr an ihrem Erbe partizipieren, doch eine Berufstätigkeit musste bis 1977 mit der Hausarbeit und Kinderbetreuung „vereinbar“ sein. Die Entscheidung darüber oblag bis dahin dem „Familienvorstand“. Das ist gerade mal 44 Jahre her. Frauen verdienen immer noch 23% weniger als Männer in gleicher Position, gelten bis heute als Rabenmütter, wenn sie voll erwerbstätig sind und ihre Familienarbeit gilt weiterhin als Gott gegeben.

 

Heute zum Geburtstag feiern wir in Zeiten der Pandemie die Wiederkehr der 50-ziger Jahre. Wer ist für Heimarbeit, Kinderbetreuung, Haushaltsführung im Jahr 2021 zuständig, klar doch wir!!

OK es gibt Männer, die sich beteiligen und eine Arbeitsteilung anstreben, doch was ist die landläufige Meinung dazu? Weichei, Schmuse-Papa und Arbeitsscheuer schalt ihnen entgegen. Weite Teile unserer Gesellschaft lebt noch im letzten Jahrhundert. Mädels weckt sie auf!

 

Wollt auch ihr wie die Frauen in Polen auf die Straße gehen und wie eure Großmütter 1972 für die Selbstbestimmung über Schwangerschaft und Lebensgestaltung demonstrieren?

 

Wenn wir etwas in den letzten 110 Jahren gelernt haben, dann doch dies, nichts wird uns geschenkt, alles was wir erkämpft haben kann ganz schnell wieder verschwinden und freiwillig gibt keiner seine Macht ab. Also macht euch auf, schließt euch zusammen und bildet Netzwerke. Männer machen das seit Jahrhunderten, Bünde, Seilschaften und Clubs waren und sind männlich. Was machen wir? Spielgruppen, Müttertreffen und Kochkurse. Ist das unser Weg in eine bessere Zeit? Wohl kaum.

 

Ich glaube nicht, dass Missgunst und Neid weiblich sind. Solidarität und Unterstützung sind unsere Stärken, nutzen wir sie! Ich bin und bleibe Optimistin!

 

Alles Liebe und Kopf hoch!

 

“Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!”

 

Astrid Lindgren, Kinderbuchautorin/Schriftstellerin

 

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